Natur auf dem Rückzug. Zur Relevanz der aristotelischen Unterscheidung von Natur und Technik

In Gregor Schiemann & M. Hauskeller (eds.), Naturerkenntnis und Natursein. Suhrkamp. pp. 145--175 (1997)
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Abstract
Von den zahllosen Vorstellungen, die heute dem öffentlichen Reden über Natur zugrundeliegen, gehört die aristotelische Naturbegrifflichkeit zweifellos immer noch zu den einflußreichsten. Während in der Tradition des aristotelischen Denkens Natur und Technik zwei verschiedene Seinsweisen bezeichnen, verwerfen die Naturwissenschaften jede substantielle Unterscheidung zwischen den beiden Sphären. Die zunehmende Technisierung der Welt macht zudem einen Begriff problematisch, der im wesentlichen das von humanen Eingriffen Ungestörte subsumiert. Kann das öffentliche Verständnis, soweit es aristotelisch geprägt ist, die Tendenz zur Veränderung und Ersetzung von Natur durch Technik überhaupt noch angemessen erfassen? Dieser Frage möchte ich auf zwei Ebenen nachgehen. Zum einen setze ich die aristotelische Unterscheidung von Natur und Technik weitestgehend als Dichotomie voraus, sehe von ihren lebensweltlichen Bezügen ab und konfrontiere sie exemplarisch mit einigen, teils schon vollzogenen, teils zu erwartenden Verschiebungen im Verhältnis dieser beiden Sphären. Insofern die Binnenperspektive der Individuen außer Betracht bleibt und es sich vornehmlich um Prozesse handelt, die die Grundlagen der materiellen Lebensverhältnisse betreffen, könnte man von der „gesellschaftlichen Ebene“ sprechen. Im Ergebnis zeigt sich ein spezieller, zunehmend verengter Kontext, in dem die Entgegensetzung noch sinnvoll Anwendung findet(I). Zum anderen rekonstruiere ich die aristotelische Begrifflichkeit im Horizont eines lebensweltlichen Verständnisses. Hierbei werde ich weniger von einer wechselseitigen Ausschließung der beiden Sphären ausgehen als von der Annahme, daß Natur und Technik die gegenüberliegenden Ränder eines Übergangsfeldes von Zuständen bezeichnen, in denen beide gleichsam gemischt enthalten sind. Die begrifflichen Hilfsmittel für diese Vermittlung finden sich bei Aristoteles selbst. Es handelt sich um die Individuationsprinzipien Stoff und Form, die in ihrer Anwendung auf die Definition von Natur eine differenziertere Wahrnehmung des Technischen gestattet.
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SCHNAD-5
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First archival date: 2015-11-21
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