Neidüberwindung als Problem der philosophischen Lebenskunst

In B. Harress (ed.), Neid. Darstellung und Deutung in den Wissenschaften und Künsten. LIST (2010)
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Abstract
Der Neid wirft als Thema der philosophischen und psychologischen Reflexion eine ganze Reihe von Fragen auf, die theoretischer Natur sind. Dazu gehören die Frage nach der Analyse des alltagspsychologischen Neidbegriffes, die damit verbundene Frage nach der Abgrenzung des psychologischen Phänomens des Neides im Verhältnis zu verwandten Emotionen, wie z.B. Eifersucht, Habgier, Ehrgeiz, Wetteifer, Geiz, etc., die Frage nach dem Wesen des Neides als einem reflexartigen und unkontrollierbaren Affekt, als einer dauerhaften und unbewussten Stimmung, als einem momentanen, intentionalen und bewussten Gefühl, als einem selbst erzeugten Konstrukt aus Gedanken und Gefühlen, etc. und schließlich die Frage nach den Ursachen des Neides als einem gewissen Mangel an Selbstsein und als Folge einer langfristig scheiternden Selbstverwirklichung. Der Neid wirft als Thema der philosophischen und psychologischen Reflexion aber auch verschiedene Fragen auf, die praktischer Natur sind. Diese Fragen gehören weitgehend in dem Umkreis der Probleme der philosophischen Lebenskunst. Zu den Fragen der philosophischen Lebenskunst, der ars vivendi, die als die wohl wichtigste menschliche Kunst auch die philosophische Kunst des Alterns und Sterbens, die ars moriendi umfasst, gehört einerseits das Problem der Abwehr der Neider durch die Beneideten und andererseits das Problem der Überwindung des Neides beim Neider selbst. In der Geschichte der europäischen Philosophie wurden seit der Antike vor allem immer wieder lebensphilosophische Ratschläge zur Bewältigung beider Probleme erteilt. Dabei standen jedoch die Ratschläge zur Abwehr der Neider im Vordergrund. Das kommt weitgehend daher, dass vor allem in der Antike, aber auch im Mittelalter und selbst noch in der Neuzeit diese Art von Literatur den Begüterten und Gebildeten diente, die auf Grund ihrer privilegierten sozialen Stellung im Großen und Ganzen eher ein Interesse an der Abwehr der Neider als an der Neidüberwindung hatten. Dennoch darf man nicht meinen, dass diese klassischen Autoren und ihre Leser selbst ganz ohne äußere und innere Anlässe für Neidgefühle und -gedanken gewesen wären. Deswegen darf man vermuten, dass auch die Scheu davor, sich selbst als einen gewohnheitsmäßig neidischen Menschen oder zumindest als einen Gelegenheitsneider zu präsentieren, dazu geführt haben mag, dass man sich aus einem gewissen Selbstschutz zurückgehalten hat, Überlegungen und Ratschläge zur Überwindung des eigenen Neides öffentlich zu äußern und zu erörtern. (Einleitung)
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