Induktion und Wahrscheinlichkeit. Ein Gedankenaustausch mit Karl Popper

In Edgar Morscher (ed.), Was wir Karl R. Popper und seiner Philosophie verdanken. Zu seinem 100. Geburtstag. Academia Verlag (2002)
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Abstract
Zwischen 1987 und 1994 sandte ich 20 Briefe an Karl Popper. Die meisten betrafen Fragen bezüglich seiner Antiinduktionsbeweise und seiner Wahrscheinlichkeitstheorie, einige die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung eines Fachgesprächs mit ihm in Kenly am 22. März 1989 (worauf hier nicht eingegangen werden soll), einige schließlich ganz oder in Teilen nicht-fachliche Angelegenheiten (die im vorliegenden Bericht ebenfalls unberücksichtigt bleiben). Von Karl Popper erhielt ich in diesem Zeitraum 10 Briefe. Der bedeutendste ist sein siebter, bestehend aus drei Teilen, geschrieben am 21., 22. und 23. Oktober 1992, in dem er eine Vorform jener Definition der probabilistischen Unabhängigkeit entwickelte, die er 1994 im neuen Anhang *XX der 10. Auflage seiner Logik der Forschung (LdF) der wissenschaftstheoretischen Forschergemeinde vorstellte. Der berührendste ist sein letzter, geschrieben am 26. Juli 1994, in dem er trotz Erschöpfung mit Humor schildert, wie mühselig der Druck des Anhangs *XX verlaufen ist. Mein Bericht ist zugleich chronologisch und systematisch gegliedert: die ersten, vergleichsweise wenigen Briefe, großteils 1987 geschrieben, handeln von der Induktion; der große Rest, zeitlicher Schwerpunkt 1992, beschäftigt sich mit der Wahrscheinlichkeitstheorie. Das Kapitel 1 über Induktion ist in vier Abschnitte unterteilt: 1.1 Das Popper/Miller-Argument: eine Nachkonstruktion, 1.2 Karl Poppers Brief vom 25.8.1987: Deduktive Stützung, 1.3 Karl Poppers Brief vom 29.9.1987: Nochmals zur deduktiven Stützung, 1.4 Echt induktive Stützung und Schwächung: zwei eigene Beweise. Das Kapitel 2 über Wahrscheinlichkeit ist ebenfalls in vier Abschnitte unterteilt: 2.1 Ein Mangel an Überschußgesetzen in der Logic of Scientific Discovery, 2.2 Probabilistische Unabhängigkeit, 2.3 Wahrscheinlichkeitstheorie und Wahrscheinlichkeitssemantik, 2.4 Die neue Unabhängigkeitsdefinition im Anhang *XX der LdF.
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