Tragbare Kontrolle: Die Apple Watch als kybernetische Maschine und Black Box algorithmischer Gouvernementalität

In Black Boxes - Versiegelungskontexte und Öffnungsversuche. pp. 115-138 (2020)
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Abstract
Im Beitrag wird die Apple-Watch vor dem Hintergrund ihrer „Ästhetik der Existenz“ als biopolitisches Artefakt und kontrollgesellschaftliches Dispositiv, vor allem aber als kybernetische Black Box aufgefasst und analysiert. Ziel des Aufsatzes ist es, aufzuzeigen, dass sich in dem feedbacklogischen Rückkopplungsapparat nicht nur grundlegende Diskurse des digitalen Zeitalters (Prävention, Gesundheit, bio- und psychopolitische Regulierungsformen etc.) verdichten, sondern dass dieser schon ob seiner inhärenten Logik qua Opazität Transparenz, qua Komplexität Simplizität (d.h. Orientierung) generiert und damit nicht zuletzt ein ganz spezifisches Menschenbild forciert. In methodischer Hinsicht sollen zur Aufschlüsselung der für die digitale Gesellschaft repräsentativen Black Box „Apple-Watch“ wirksame Begriffskonstellationen der Kybernetik – d.h. Feedback, Regulierung, Selbstkontrolle und nicht zuletzt das Prinzip des „schwarzen Kastens“ selbst (Wiener/ Ashby), in dem sich schon die Funktion des Apparats als (Selbst-)Regulierungstool zwischen In- und Outputs reflektiert – in den Blick genommen und mit behavioristischen Konzepten (besonders solche der Gegenwart, d.h. nudging-Konzepte etc.) kontextualisiert werden. Auf dieser Grundlage lässt sich schließlich, so die These, nicht nur ein Subjektivierungsmodell ableiten, sondern auch eine (durchaus realpolitisch wirksame) Regierungskunst („kybernetische Gouvernementalität“) dekodieren. In diesem Zusammenhang ist schließlich die These zu plausibilisieren, dass das zeitgenössische „Sicherheitsregime“ des ‚new dark age‘ (Bridle) respektive der ‚Black-Box-Society‘ (Pasquale) sich nicht auf „die Unterdrückung von Subjektivität [bezieht], sondern vor allem auf ihre ‚(Selbst)-Produktion‘, […] auf die […] Förderung von Selbsttechnologien, die an Regierungsziele gekoppelt werden können.“ (Lemke) Entsprechend fragt der Aufsatz, welche – auch politischen – Auswirkungen die exzessive Verbreitung dieser und ähnlicher „smart devices“ zeitigt: Denn nicht zuletzt lässt sich, mediiert über derartige datengenerierende schwarze Kästen, eine Form der Regierung und des Regierbar-Machens erkennen, die weniger explizit-imperativisch auf Subjekte als vielmehr implizit-suggestiv auf Datenpunkte und -profile einwirkt.
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