Swiss Philosophical Preprints (
2009)
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Abstract
Als zu Beginn des Jahrhunderts der Realismus wieder ernst genommen wurde, gab es viele Philosophen, die sich mit der Ontologie der Wahrheit befaßten. Unabhängig von der Bestimmung der Wahrheit als Korrespondenzbeziehung wollten sie herausfinden, inwieweit zur Erklärung der Wahrheit von Sätzen besondere Entitäten herangezogen werden müssen. Einige dieser Entitäten, so zum Beispiel Bolzanos ‘Sätze an sich’, Freges ‘Gedanken’ oder die ‘propositions’ von Russell und Moore, wurden als Träger der Eigenschaften Wahrheit und Falschheit aufgefaßt. Einige Philosophen jedoch, wie Russell, Wittgenstein im ›Tractatus‹ und Husserl in den ›Logischen Untersuchungen‹, argumentierten, zusätzlich zu den Wahrheitsträgern bzw. an ihrer Stelle müßten Entitäten angenommen werden, auf Grund deren Sätze und/oder ‘Propositionen’ wahr sind. Solchen Entitäten gab man verschiedene Namen, insbesondere ‘fact’, ‘Tatsache’, ‘state of affairs’ und ‘Sachverhalt’. 1 Wir wollen einer Entscheidung über die Angebrachtheit dieser Ausdrücke nicht vorgreifen und daher zunächst eine neutralere Terminologie verwenden: Alle Entitäten, die für diese zweite Rolle in Frage kommen, wollen wir ‘Wahrmacher’ nennen.