Hermann von Helmholtz’ Kantkritik

In Christian Krijnen (ed.), Wissenschaftsphilosophie im Neukantianismus. Ansätze – Kontroversen – Wirkungen. Königshausen & Neumann (2014)
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Abstract
Nach einer kurzen Übersicht über das Leben und Werk von Helmholtz, diskutiere ich die drei Themenbereiche, die für die Beurteilung seines Verhältnisses zu Kant vornehmlich ins Gewicht fallen. Der erste Bereich bildet die Begründung des Energieerhaltungssatzes von 1847, den der späte Helmholtz selbst „durch Kant’s erkenntnistheoretische Ansichten […] beeinflusst“ gesehen hat. Während viele Interpreten diese Selbstauskunft für berechtigt halten, sehe ich in der Struktur der Begründung einen Ausdruck der gegensätzlichen Wissenschaftsauffassungen von Helmholtz und Kant. Als zweites gehe ich auf die Rolle der Kausalität in der Wahrnehmungstheorie ein. In diesem Kontext bezieht sich Helmholtz erstmals und durchaus positiv explizit auf Kant. Seine Rede "Über das Sehen des Menschen" von 1855 zur Einweihung eines Kantdenkmals in Königsberg gilt als eines der Gründungsdokumente des Neukantianismus und spiegelt doch zugleich die tiefgreifenden Differenzen zwischen empiristischer und idealistischer Wissenschaftsphilosophie wider. Zeitlich wiederum nachfolgend steht die Begründung der nichteuklidischen Geometrien als dritter Bereich für die deutlichste Kritik an Kants transzendentaler Begründung der Wissenschaft. Sie ist zugleich wohl auch Helmholtz’ bekanntester Beitrag zur Hypothetisierung der Wissenschaftssauffassung. der Gründungsdokumente des Neukantianismus und spiegelt doch zugleich die tiefgreifenden Differenzen zwischen empiristischer und idealistischer Wissenschaftsphilosophie wider. Zeitlich wiederum nachfolgend steht die Begründung der nichteuklidischen Geometrien als dritter Bereich für die deutlichste Kritik an Kants transzendentaler Begründung der Wissenschaft. Sie ist zugleich wohl auch Helmholtz’ bekanntester Beitrag zur Hypothetisierung der Wissenschaftssauffassung.Dem Werk von Hermann von Helmholtz wird gemeinhin ein maßgeblicher Stellenwert bei der Begründung der neukantianischen Bewegung im 19. Jahrhundert beigemessen. Wo diese Zuordnung Helmholtz’ positive Bezüge auf Immanuel Kant ohne hinreichende Kontextualisierung hervorhebt, läuft sie Gefahr, die Distanz zu übersehen, die zwischen den wissenschaftsphilosophischen Positionen von Helmholtz und Kant bestand. In meinem Beitrag gewinnt das Verhältnis von Helmholtz zu Kant erst seine Bedeutung vor dem Hintergrund ihrer konträren ontologischen und erkenntnistheoretischen Grundannahmen. Helmholtz betrachte ich als repräsentativen Vertreter einer szientistischen Wissenschaftsauffassung in der Naturforschung des 19. Jahrhunderts. Demgegenüber bietet Kant ein paradigmatisches Beispiel einer metaphysischen Wissenschaftsbegründung. Im Gegensatz zu Kant beschränkt Helmholtz seinen Ausgangspunkt nicht auf erfahrungsfreie Prinzipien, sondern entwickelt und stützt seine Begründung des Geltungsanspruches der wissenschaftlichen Erkenntnis auf forschungsbewährte Theorien und Experimente. Eine Differenz zwischen den beiden Positionen findet sich ebenfalls in den Strukturen der jeweils vertretenen Naturkonzeptionen. Führt Kants dynamischer Mechanismus alle Eigenschaften der Materie auf Kräfte zurück, so geht Helmholtz von einer Dualität von Kraft und Materie aus.
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