Über die deskriptive Unerschöpflichkeit der Einzeldinge

In Geert Keil & Udo Tietz (eds.), Phänomenologie und Sprachanalyse. Mentis. pp. 83-125 (2006)
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Abstract
Der Topos von der Unerschöpflichkeit des Gegenstands wird mit der Phänomenologie assoziiert. Den ihm verwandten Topos von der Unaussprechlichkeit des Individuellen haben Goethe und die deutschen Romantiker in die Welt getragen. Der Diktion der analytischen Philosophie sind die Ausdrücke „unerschöpflich“ und „unaussprechlich“ fremd. Dieser Umstand sollte analytische Philosophen nicht davon abhalten, sich den sprachphilosophischen und ontologischen Problemen zuzuwenden, die sich hinter den besagten Formeln verbergen. Husserls Wort für Unerschöpflichkeit ist „Fülle“. Die „Fülle des Gegenstandes“ erläutert Husserl als den „Inbegriff der ihn konstituierenden Bestimmtheiten“, seine „individualisierenden Bestimmtheiten“ eingeschlossen. Ich werde in diesem Aufsatz von deskriptiver Unerschöpflichkeit sprechen, die ich auf eine ontische Eigenart der konkreten Einzeldinge zurückführe. Den Begriff der deskriptiven Unerschöpflichkeit werde ich zunächst anhand des Problems entwickeln, die Eigenschaften eines Einzeldings zu zählen. Aristoteles, Leibniz und Kant beantworten die Frage, wie viele Eigenschaften ein Einzelding hat, gleichlautend: es sind potentiell unendlich viele (1.). Die ontologische Kategorie, für die dies gilt, ist die der konkreten, raumzeitlichen Einzeldinge (2.). Unter (3.) wird der Befund der deskriptiven Unerschöpflichkeit näher erläutert und ausdifferenziert. Unter (4.) wird ein sprachphilosophisch motivierter Einwand gegen die Unerschöpflichkeitsthese diskutiert und zurückgewiesen: der Einwand aus der endlichen Zahl der Prädikate. Dann werde ich die Begriffe Leerstelle, Auflösung und ontische Dichte einführen, um meinen Befund zu sichern und zu präzisieren (5.). Unter dem Stichwort „Unerschöpflich oder bloß faktisch unerschöpft?“ diskutiere ich die Frage, worin das prinzipielle Hindernis für das Unternehmen liegen soll, ein Einzelding erschöpfend zu beschreiben (6.). Anschließend kontrastiere ich die Unerschöpflichkeitsthese mit der pathetischen Formel von der „Unaussprechlichkeit des Individuellen“, um zu verdeutlichen, was mit ersterer nicht gemeint ist (7.). Diese Diskussion führt zu ontologischen Überlegungen über Individualität, Einzigkeit und haecceitas (8.). Schließlich bringe ich den Gedanken ins Spiel, daß wir in der natürlichen Sprache beliebig feine semantische Unterscheidungen treffen können, der auf den ersten Blick in einer gewissen Spannung zur These der deskriptiven Unerschöpflichkeit steht. Diese Spannung werde ich unter (9.) und (10.) zu mildern suchen und dabei meinen Begriff der ontischen Dichte zu Goodmans Begriff der semantischen Dichte in Beziehung setzen.
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