Was heißt es, dass eine Metapher absolut ist? Metaphern als Indizien

In Alexander Friedrich, Petra Gehring & Andreas Kaminski (eds.), Journal Phänomenologie. Schwerpunkt: Metaphern als strenge Wissenschaft (2014)
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Abstract
Blumenbergs Paradigmen zu einer Metaphorologie sind bekannt für die Entdeckung absoluter Metaphern. Zahlreiche systematische Fragen mögen dabei offen geblieben sein, etwa die nach verschiedenen Typen1 von Metaphern oder den Methoden ihrer Interpretation, so dass schon bezweifelt wurde, ob es sich überhaupt um eine Metapherntheorie handle.2 Immerhin: Dass es absolute Metaphern gibt, was diese sind und woran sie erkannt werden können, wird von Blumenberg in großer Prägnanz und anhand zahlreicher Beispiele dargestellt. Wenn es eine unangetastete Gewissheit in der Blumenbergrezeption gibt, so scheint sie hierin zu finden zu sein. Dennoch möchte ich erneut die Frage an Blumenbergs Text stellen: In welchem Sinn ist eine Metapher absolut? Auf den ersten Blick mag diese Frage überraschen, da sie einen der offensichtlichsten Gedanken Blumenbergs berührt: Eine absolute Metapher ist nach Blumenberg eine solche, die sich nicht in Begriffe rückübersetzen lässt. In diesem Sinne wird sie von ihm als absolut charakterisiert. Warum halte ich dennoch diese Frage für berechtigt? Das wird am besten anhand einer Alternative verdeutlicht: Ist die absolute Metapher ein Ausdruck in einem fremden Kontext, wie Blumenbergs zahlreiche Exempel nahelegen (die Kraft der Wahrheit, die nackte Wahrheit), oder ist die absolute Metapher gleichsam die jeweilige ganze Theorie, bündelt sich in ihr der gesamte Text? Auf den ersten Blick mag diese Alternative paradox erscheinen. Vorgreifend sei der ihr zugrundeliegende Gedanke erläutert: Blumenbergs Darstellung der Fundstellen legt zunächst die erste Lesart nahe. Demnach wäre die absolute Metapher das Vorkommen eines Ausdrucks (wie »Kraft« oder »nackt«) in einem Kontext, in den sie zunächst nicht passt (Wahrheit). Die Metapher wäre dann zwar nicht ein Ausdruck allein, sondern ein Ausdruck in einem ihm fremden Kontext; sie wiese jedoch Grenzen auf. Wie unbestimmt diese auch verliefen, ob sie weiter oder enger anzusetzen wäre, sie wäre lokalisier- und daher identifizierbar. Die zweite Lesart motiviert sich zunächst dadurch, dass Blumenberg vorführt, dass eine absolute Metapher gegeben sein kann, ohne dass sie als Ausdruck in einem Text vorkommt. Sie bildet dann dessen »implikatives Modell«; das heißt, sie stellt den Hintergrund der Begriffsbildung dar und entwirft das Verhältnis von Selbst und Welt. Was zunächst einen Sonderfall darstellt (Metapher ohne Ausdruck), verweist jedoch auf eine allgemeine Eigenschaft absoluter Metaphern bei Blumenberg: Diese sind Modelle für das Verhältnis von Ich und Welt und erfüllen dadurch theoretische und pragmatische Funktionen. Als solche ist die absolute Metapher nicht auf ein lokales Vorkommen begrenzt, sondern durchdringt den Text als solchen. Beide Möglichkeiten stehen in einem Gegensatz zueinander. Gleichwohl gibt es einen ver- mittelnden Gedanken: Die absolute Metapher (als Strukturzusammenhang des gesamten Textes verstanden) kann sich gleichsam in einem Ausdruck manifestieren, verdichten und selbst bezeichnen. Aber das Vorkommen von absoluten Metaphern wäre an das Vorkommen von Ausdrücken in einem fremden Kontext nicht gebunden. Die Diskussion dieser Frage steht im Zentrum des Beitrags (Abschnitte 1–2), sie hat Konsequenzen für zwei Gedanken (Abschnitte 3–4), die in ihrem Licht vielleicht klarer hervortreten.
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